Der Vermummte

Disclaimer: Wie gesagt schreibe ich in letzter Zeit einfach mal drauf los (täglich) und da habe ich mir gedacht vielleicht kann man diese unzusammenhängenden Geschichten irgendwie zusammen bringen. Also seid gespannt, falls mir was Gutes einfällt! 

10 Uhr Vormittags. Valeriestraße 4. Ein kleines Paket, gut versteckt zwischen Müllcontainern. Schnelle Schritte aus einer Seitengasse: Eine verhüllte Gestalt läuft heraus. Beinahe stürmisch. Dunkle Kleidung, Schal über dem Mund. Ein langer, weiter Mantel rundet alles ab. Noch 1,2 Sekunden dann ist die Gestalt am Paket, bleibt stehen. Hält inne, schaut und mustert. Wie als hätte sie selbst keine Ahnung was sie erwartet. Doch dafür scheint sie zu zielsicher, aber vielleicht doch nicht selbstsicher genug? Jetzt geht sie in die Hocke, umschauen nach links und rechts. Niemand zu sehen. Hörbares Ausatmen.

Dann plötzlich Schritte: Von rechts aus einer anderen Seitenstraße kommend. Scharfes Luftholen, alle Muskelpartien spielen zusammen und spannen sich an. Ein kleiner Junge läuft vorbei, ohne sich auch nur umzuschauen. Erneutes Ausatmen, diesmal noch erleichterter. Hände, durch schwarze Handschuhe verdeckt, man möchte fast meinen geschützt, greifen nach dem Paket. Öffnen, reißen, zerren, bis es endlich wie von selbst aufspringt. Als würde es ironisch auf den vorherigen Kraftakt reagieren. Der Beobachter erwartet nun etwas Gefährliches: Womöglich eine Waffe? Illegales Geld? Drogen? Der Vermummte zieht ein kleines Bild heraus und … und weint? Noch verwunderlicher aber erscheint der Inhalt des Bildes: Eine Wüste.

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Die verfaulte Gottheit

Wie eine Göttin.      Wie sie sich rekelte.         Wie sie sich wand.

Für alle Zeit erstarrt direkt vor seinen Augen, nur Zentimeter von seinem Gesicht entfernt. Von seinen Lippen, die sie berühren, von seinen Worten, die sie umhüllen möchten. So nah und doch Jahrhunderte weit entfernt: Ein bloßes Gemälde umrahmt von Dutzend gleichen und doch alleine unter sich. Nichts mehr als eine bloße Kopie eines Menschen, einer Person voller Träume, Gefühle und Hoffnungen. Die Porträtmalerei kam ihm auf einmal wie ein perverser Akt vor, der dem Menschen jegliche Menschlichkeit nimmt. Ihn auszieht, entblößt und für alle Zeiten auf Papier brennt. Ohne all das was ihn wirklich ausmacht, ein schreckliches Gemälde, dass da vor ihm hing. Das Abbild einer längst toten, längst ergrauten Gestalt und vor seinen Augen nahm sie ihre wahren Züge an, verrottete, verfaulte, heulte noch ein letztes Mal auf, wie um zu beweisen, sie sei doch menschlich und nahm letztendlich wieder ihre starre Gestalt an. Nur hing über ihr jetzt ein Ausdruck des Ekels und dieser überkam auch ihn. Fast hatte er das Gefühl loskotzen zu müssen, um sich herum und auf das Bild. Eine ekelhafte Rebellion sozusagen, in welcher er das, was ihn nun wahrhaft ekelte versuchen würde zu verbergen. Was stand da nur vor seinen Augen, dieses Ding.

Wie schrecklich.Wie sie sich rekelte.Wie sie sich wand.Wie eine Schlange.

Klobige Pranken und empfindliche Geschlechtsteile

Disclaimer: Die Geschichte wird an manchen Stellen ein klein wenig vulgärer als vlt. gewohnt. Ich hoffe ich störe damit keinen, das war nicht meine Intention.

„Das ist schon komisch. Man sollte meinen je älter man wird, desto besser kommt man damit klar, aber es schmerzt nur mehr.“ Er sprach zu niemand direktem, die kleine Ansammlung Menschen, die ihm als Publikum dienen könnten, hatte sich von ihm angewendet und tauschte allseits Trauer und Empathiebekundungen miteinander aus. Das kleine Wohnzimmer war trotz weniger Menschen reichlich gefüllt, schwarze Anzüge auf weißer Wand. Die Frauen natürlich in schwarzen Kleidern unterschiedlicher Länge, je nach Alter und eigenem Geschmack. 

„Warum eigentlich schwarz? Warum nicht eine Farbe, die Hoffnung ausstrahlt oder Freude? Klar, es ist ein trauriger Augenblick, aber sollte man nicht trotzdem versuchen hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen?“ Wieder einmal keine Antwort, aber eventuell hatte er sich den letzten Part seiner Rede auch nur gedacht und nicht laut vorgetragen. Das kleine Glas in seiner Hand half bei der Trennung zwischen Gesagtem und Gedachten auch nicht gerade weiter. Langsam und beinahe bedächtig drehte er das Glas plus die hellbraune Flüssigkeit in ihm zwischen seinen klobigen Fingern, während es inmitten dieser Pranken beinahe vollständig verschwand. Selbst seine eigene Frau hatte immer etwas an seinen Händen auszusetzen: Zu Groß, zu klobig oder auch einfach nicht sanft genug. Meist packte er sie für ihren Geschmack zu fest an, nicht als Zeichen der Gewalt, sondern nur weil er es nicht anders kannte. Bei der eigenen Befriedigung kannte er keine Sanftheit, riss beinahe immer schneller, während ihn die durch Plastik und Technik verzerrten Gesichter diverser Frauen zum Kommen anfeuerten. Und auch nach Jahren der Ehe legte er noch selbst kräftig Hand an, wenn sich die Geschichte bot, denn selbst ist der Mann und Traditionen sind schwer aufzugeben. So ging es dann meist von Tag zu Tag manchmal alleine, manchmal dual mit dem gemeinsamen Vergnügen. Doch so langsam ließen sich Spuren seiner Tätigkeit erkennen, das ständige stürmische Reißen, Ziehen und mehr, das er in seiner Freizeit trieb spitzte sich zu und resultierte im Leiden seines besten Stückes. Er war zu etwas geworden, was man gerne „chronischer Selbstbefriediger“ nennt. Auch wenn er es selbst nicht wollte. Seine Frau bekam seine gewohnte Seite auch im Bett immer seltener zu sehen und wurde immer unzufriedener mit der gesamten Angelegenheit. Die Selbstbeschäftigungen ihres Mannes machte ihn immer öfter unempfänglich für etwaige Verführungsversuche. Nachdem sie Wind von den Selbstbeglückungseskapaden ihres Mannes bekannt suchte sie nach einer hektischen Googlesuche ob Selbstbefriedigung für Ehepartner normal sei, einen Eheberater auf. Und schleppte prompt am nächsten Tag ihren Ehemann zu diesem und dessen steril eingerichtetem Büro, immerhin mit einem kleinen Bonsaibaum in der Ecke.

„Wenn ich ehrlich bin, gefallen mir Beerdigungen besser als Eheberatung. Hier kann man Fragen ausweichen, indem man einfach anfängt los zu heulen und es auf die Trauer schiebt. Bei der Beratung sind lange Pausen und Ausweichmanöver nicht gern gesehen.“ Er bertrachtete den Knirps neben sich, der nicht mehr als die perfekte Beschreibung des Begriffs war. Kleiner Kopf, zusammen gesackte Haltung, kleine, leise Wörter, die unbeholfen aus seinem Mund purzeln und wahrscheinlich noch kleinere Eier. Die ganze Angelegenheit wurde noch trauriger, wenn man bedenkt, dass dieser kleine Haufen sein Sohn sei, dachte er sich. Während er sich nämlich ab und an, also ungefähr jeden Tag selbst nach half bei gewissen sexuellen Bedürfnissem, geschah keine zwei Zimmer weiter, bei seinem Sohn das Gleiche.  Natürlich irgendwie gewusst von den Eltern, aber nie thematisiert. Heute anstatt auf seinem Bett sitz dieser Knirps also auf einem steinharten Stuhl, der allerdings entgegen seiner Bezeichnung aus Holz bestand. Vor ihm, im Blickfeld seines gesenkten Kopfes -Haupt wäre hier noch zu großzügig beschrieben- steht seine Mutter, gekleidet in langem, schwarzen Stoff. Zweifelsohne eine äußerst attraktive Frau, die auch hinsichtlich ihrer Intelligenz nicht zu verstecken hatte. Mit dieser Attraktivität kam auch immer ein gewisser Drang diese Schönheit auszuleben und zu genießen. Ein Wunsch dem ihr Ehemann nicht mehr oft nachkam. Sein Blick wanderte nun auch langsam zu ihr.

„Mann, ein Körper. Dagegen sind die ihm Internet nur Plastik und Schminke. Oder was meinst du?“ Er wendet sich seinem Sohn zu, wobei damit eine minimale Drehung des Kopfes in seine Richtung gemeint ist. Der Angesprochene zuckt nicht einmal mit den Schlulterm, starrt nur. Auch wenn er als Vater nicht gerade der Aufmerksamste war, fiel ihm jetzt doch auf, dass seinem Sohn dicke, klare Tränen die Wange runterliefen. Hier vor allen Leuten, ohne überhaupt zu versuchen sie zu verstecken. Zumindest fielen sie an diesem Ort der Trauer, wo Tränen an jedem zweiten herunterliefen und sich am Boden zusammen sammelten, keinem auf. Mittlerweile fühlte er sich selbst von seinem eigenen Fleisch und Blut vollkommen ignoriert, sodass er aufstand, Stuhl und Sohn verlaß und sich im Raum orientiere. Zuerst ging er vorbei an seiner Frau, die ihn getrost ignorierte und der auch ein Miniwasserfall die Backen verunstaltete. 

„Schatz, nur dass du es weißt. Ich liebe dich, auch wenn ich es dir körperlich nicht immer zeigen kann.“ Schnelle Sätze, genuschelt im Vorbeigehen, die wieder einmal keine Beachtung fanden. Schließlich kam er an dem Kasten an, der den Mittelpunkt des Raumes und des Emotionstornados der in ihm befindlichen Menschen bildete. Ein Mahagoniholzfarblicher Sarg etwas über der normalen Länge und Breite und eigentlich auch nur aus einer billigen Kopie von Mahagoni. Und in ihm ein großer Mann, friedlich aussehend, beinahe wie schlafend auch wenn er dachte, dass sei immer nur ein Klischee aus Filmen. Seine großen klobigen Pranken ruhten auf seiner für immer stillgelegte Brust. 

„Ich sehe schon sehr friedlich aus, muss man sagen.“ Ruft er in die Menge. Wiedereinmal keine Antwort.

ICH

Bin ich das?

Da drüben, der da liegt.

Auf Feld, ohne Kleidung.

Sanftes Korn das mich umhüllt.

Meiner Haut schmeichelt.

Und ich?

Ein Häuflein inmitten all des Lebens.

Der Felder, die Nahrung geben.

Ein Mensch der denkt und träumt.

Und doch immer nur von dem Schlechten.

Und ich spüre.

Spüre erneut einen Alptraum.

Der mich frisst wie das Korn.

Arm an Arm

Disclaimer: Ich habe mir mal wieder ein Versprechen gegeben und zwar mehr zu schreiben (so wie immer) und das jeden Tag. Deshalb erwartet von mir in nächster Zeit hoffentlich viel mehr Zeug. Da ich aber so hoffnungsloser Perfektionist bin, werde ich versuchen einfach zu schreiben und sofort zu veröffentlicht. Deshalb sorry, falls die Qualität der einzelnen Stücke nicht phänomenal ist. 

Wir waren beide Kinder geformt durch Lust und Liebe, versunken in den Armen des anderen ohne jemals aufzuschauen.

Ohne jemals in das Antlitz des anderen zu sehen und zu erkennen, wer vor uns steht. Gefangen in warmen, nahen Bewegungen, Armhaare auf Armhaare, wo Liebe und Lust Hand an Hand gehen, so wie wir Arm an Arm stehen.

Fest umgriffen, wie ein Kind sich an die rettende Faust klammert, ein Ertrinkender an das rettende Bott.

Verbraucht, verloren in unendlicher Weite, die sich erstreckt zwischen uns.

Und doch sind wir uns so nah, zu nah und doch: Nur unsere Arme berühren sich.

Spätabends/Frühmorgens…. Ich lache

Noch eine? Noch eine.

Noch eine? Noch eine.

Noch eine? Noch eine!

Ich schmeiß und schmeiß. Pille um Pille. Glas um Glas.

Der Beat dröhnt. Boom, boom. Rythmus, Melodie, Geschrei, Getanze. Ich lache.

„Müssen wir das noch…?“

„Heute nicht mehr“

Ken lacht. Ich rülpse. Die anderen schlucken. Bier: Augustiner.

Billiges Zeug danach. Gut zum durchspülen.

„Hast du schon gelesen?“

„Was denn?“

Ich greife….

Erneut die Musik. Neue Platte: Der DJ schwitzt. Jetzt muss er genau auf die Stimmung der Tanzenden achten. Er verändert den Pegel. Passt die neue Platte oder hat er das Publikum falsch eingeschätzt?

Ein anderer Beat quillt aus den Lautsprechern. Die Tanzfläche bleibt gleich, alle jubeln.

Der DJ atmet aus. Hörbar. Er hat die Situation gut eingeschätzt.

Lehne mich zu Lara: Blaue Augen, roter Mund. Sie blinzelt.

Die Klotür stürmt auf. Nicht von selbst, Ken steht dahinter. Hat einen neuen Plan: Wir sollten lieber ins 21. Da hätten sie bessere Musik.

Wir brauchen nur bessere Drinks! Ruft jemand. Oder ich denke nur.

Nächstes Bier. Zack, weg.

Erinnert mich an Malta 2007. Damals mit Lars und Schütte drüben. Die drei besoffenen Deutschen, die den Einheimischen wieder mal alles kaputt machen.

Nur damit der Feuilleton in Welt und Co. sich wieder echauffieren kann. Wie schlecht doch die deutschen Touristen sind.

Bier, Wein: Alkohol. Zigarren, Zigaretten: Kippen. Gras, Koks: Drogen.

Hauptsache Nehmen. Gerne auch zweimal.

„Muss arbeiten“ ruft eine. Stöhnen in der Menge.

Scheiß Sklaventreiber. Nächster Drink, eisgekühlt. Kalt wie pures Eis.

Die Polarkappen schmelzen oder? frag ich Ken. Ken schnauft.

„Scheiß Weltverbesserer und Nörgler. Scheiß Kappen“ Das nächste Bier.

Wir stehen jetzt….

Die Tanzfläche schon ganz….

Leer. Jemand brüllt zur Musik. Ich lache.

Jasmin umarmt mich von hinten. Armhaare streifen. Wärme auf Wärme.

Nein, ich bin ganz kalt. Schnell den nächsten Drink um mich aufzuwärmen.

Draußen vor dem Club. Schütte kommt vorbei: Hallodri und Begrüßungsfloskeln.

Kippe im Mund. Trotzdem Gerede. Mein Kopf brummt.

„Wohin jetzt?“

Ich schließ die Augen.

 

Who am I?

Das Gelb der Wüste unter mir schlug meinen Augen in voller Farbpracht entgegen. Ich blinzelte, wischte mir über mein Gesicht und blickte mich um. Wüsten kannte ich zuhauf aus dem Fernseher, dem Internet, von Bildern. Doch keine war so grell wie diese hier. War Sand normalerweise nicht mehr braun und weniger gelb? Die ganze Szenerie erinnerte mich an eine Kinderzeichnung, als wäre Gott nur ein farbenfroher Sechsjähriger, der die Welt bemalte. Als würde er mich in meinen Überlegungen bestätigen wollen stürmte auf einmal ein stürmischer Windzug durch das Tal unter mir. Ich fühlte mich mitgerissen und versuchte unbewusst Halt zu finden. Doch neben, hinter, vor mir erstreckte sich nur blankes Terrain. Nach einiger Zeit fasste sich der Wind wieder, ich damit auch. Schon komisch, hier gab es doch noch nie Wind? Aber was ist überhaupt nie? Im Rückblick wirkt es, als ob ich philosophische Betrachtungen zur Zeit anstellen wollte, doch in diesem Moment war es reiner Horror. Denn ich konnte mich an nie nicht erinnern, ich konnte mich an nichts erinnern. Die Wüste war nicht nur das Einzige, das sich vor meinem Auge ausbreitete. Mein gesamter Kopf und all meine Erinnerungen waren nur gefüllt mit Gelb, gelb und noch mehr gelb. Ein endlos weiter Horizont ergoß sich vor mir, triefend vor Farbe, Sand und Wind.

Ein Sandkorn in der Wüste ist unter so viel seinesgleichen und doch ist es der einsamste Ort.

Was war das? Ein Zitat, eine Erinnerung? Hatte ich das Ganze schon einmal irgendwo gehört oder fiel es mir selbst erst in diesem Moment ein? Es war nun windstiller als zuvor, sofern ich das beurteilen konnte. Über mir am Himmel hörte ich einen Geier kreischen und meine Hände begannen zu zittern.

Fortsetzung folgt…

Sleep’s for the weak

Hier eine kleine Geschichte, die ich für mein Theaterseminar geschrieben habe. Wir sollten eine Kurzgeschichte, Gedicht, Theaterstück, was auch immer über eine Situation, die einer Minderheit passiert schreiben. Über verschiedene Perspektiven, Unverständnis und Distanz. Vielleicht nicht die Minderheit, die man sich normalerweise vorstellt, aber ich denke psychisch beeinträchtigte (bsp. Schlafstörungen) sollten auch im öffentlich literarischen Diskurs vorhanden sein. Sind immerhin auch eine Minderheit. Ein, zwei Sachen (verschiedene Schriftarten, etc..) waren vom Format her etwas schwer aus Word in WordPress zu bringen (alle Spalten, Leeren sind gewollt). Hoffe man versteht trotzdem meine Intention! 

Anm: Die zweite Nachricht im Chat mit Simon ist natürlich von unserem Protagonisten, leider lässt mich WordPress das nicht richtig formatieren! Argh

 

Meine Augen reißen auf. Augenschmerzen. Augen reiben. Gähnen.

Uhrzeit: 4.30                     Gedanken.                                   Langsam.

Dunkelheit. Stille.             Ruhe?

Warum bin ich wach?

 

Schreit der Kleine wieder?

 

Nein  alles Gut.  Bin trotzdem wach. Aber ist ok, damit muss man doch leben können. Oder?

Leben und Ponyhof. Oder so. Jetzt bin ich schon mal wach. Einschlafen kann ich nicht mehr.

Also warum nicht was machen?

Handy raus.               Whatsapp Chat mit Simon.

Noch wach?^^ 1.30

Leider ja :/ hab Till scho längst ins Bett  gebracht

aber mich hält’s wach                                                   1. 30

Du armeer!      1.34

Scheiß Schlafkrankheit oder? ^^ 1.34

                                                                 Hörst du bidde mit dem emoji auf? argh                1.34

 

                                                                  Bidde sei noch wach!                                                  4.32

10 Minuten später: Immer noch keine Antwort. Überraschung des Jahres! Oder eher der Nacht. Die Stille lullt mich ein, verschlingt mich wie ein riesengroßes Monster sein Opfer. Meine Augen haben sich mittlerweile an die Dunkelheit gewöhnt. Meine Ohren gewöhnen sich nie. Ich sitze auf meinem Bett. Nein, nicht gut. Ich sollte liegen, so schlaf ich schneller wieder ein.                     Ich liege.

20 Minuten später: Rate mal wer wieder sitzt. Hab ich schon erwähnt, dass ich schwitze wie eine Sau. Wenn man das so sagen darf.

35 Minuten später: Handy wieder an.          Whatsapp Chat.              Rebecca

Fühle mich als ob meine Gedanken wieder langsam werden. Ganz      langsam.

Hey, zufällig noch wach? ^^ 5.07

Antwort = Null. Erinnert mich an Mathe. Früher hab ich das immer geliebt. Zumindest  ein bisschen. Vielleicht sollte ich paar alte Aufgaben lösen? Wenn ich doch eh nicht schlafen kann?  Machen das normale Menschen?

 

52 Minuten später: Handy. Blaues Licht. Gruppenchat. Rebecca, Timo, Chris, paar Andere

 

Timo

Warum imma so spät auf? 😀  0.46

                                                                                               Meinst du so spät? 😀 5.24

Vielleicht krieg ich so mehr Aufmerksamkeit. Scheiß Emoji:     Doppel       Punkt      D

Das einzige D was ich jetzt brauche wäre Ruhe in meinem BeD.

Ein bisschen Schlaf

Ein bisschen Ruhe

Ein bisschen…

Nur….

 

 

30 Minuten später:

Meine Augen reißen auf. Augenschmerzen. Augenreiben. Gähnen.

Uhrzeit: 5.54                       Gedanken.                                   Langsam.

Dunkelheit. Stille.               Ruhe?

Warum bin ich wach?

Mein Handy blinkt neben mir. Leer.       Nachrichten immer noch gleich null.

Uhrzeit. Scheiße, scheiße:   Es ist schon so spät. Ich krieg nicht genug Schlaf, wieder.

Morgen wird mich überfordern. Pack ich das?

  1. Arbeit
  2. Den Kleinen zum Kindergarten bringen
  3. Mich stressen

Mehr und mehr. Schweißt tropft wie das kaputte Rohr in der Küche. Ich möchte doch einfach nur    Ruhe. Ist das so schwer.

26 Minuten später: Gott sei Dank bin ich doch noch eingeschlafen. Ging ja so schnell. Jetzt muss ich wirklich aufstehen. Der Kleine wird auch bald wach sein.

Handy leuchtet auf.         Whatsapp Chat mit Simon.

Ich versteh echt nicht warum du nicht einschlafen kannst 😦 6.20

Danke für die netten Worte. Bringen echt viel.

2 Stunden später: Auf der Arbeit. Kommentare. Der Chef merkt an: Meier, Sie sehen aus wie Scheiße!

Danke, dass ihr auf meinem Blog vorbeigeschaut habt!

  • Eintrag 243 in „Sleep’s for the weak“                                                              2 Gefällt mir

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Was ich möchte

Und ich möchte nicht mehr dichten
So dass sich die Gedanken nicht verdichten
Möchte nicht mehr über Probleme berichten

Und ich möchte nicht mehr schreiben
So dass die schlechten Gefühle bleiben
Möchte mich nicht mehr an unerfüllten Erwartungen reiben

Und ich möchte nicht mehr lesen
So dass ich mich fühle, ach so belesen
Möchte nicht mehr zerstreut sein wie ein borstiger Besen

Und ich möchte nicht mehr von späteren Zeiten reden
So dass ich vor Angst nur so bebe
Möchte nicht mehr an Utopien kleben

So lange nichts mehr gekommen, nichts mehr geschrieben und doch so viel erlebt

Ich hasse schreiben, habe ich das schon mal klargestellt? Ich hasse es meine Gedanken aus dem WirrWarr meines Kopfes auf Papier tropfen zu lassen und diesen zersplitterten Haufen aus Nichtsagenheit von anderen lesen zu lassen. Diese leeren Worte eines verwirrt laufenden, gehenden Teenagers, dessen Füße schon taub sind, obwohl das Ende noch gar nicht in Sicht ist. Diese Wortfloskeln, Adjektive, Subjektive, Verben die zusammengereimt und einzeln verwirrt, einfach, bedeutend und nichtssagend sind; sein können. Ein schmerzhaftes Gefühl, dass sich an mich heftet wie eine Spinne und mir flüstert, wie wertlos das alles ist und die mich gleichzeitig diese obsoleten Metaphern, die ich verwende verfluchen lässt. Und doch, trotz allem, ist dies genau was ich will, diese Melancholie, dieses Gefühl, das mir zeigt, dass ich noch lebe, noch atme, noch existiere. Das mich nicht einfach nur auf meinem Bett sitzen über mein Versagen philosophieren lässt, sondern mich trotz allem an den Schreibtisch zehrt und mich meine Ängste ausspucken lässt.