Was ich möchte

Und ich möchte nicht mehr dichten
So dass sich die Gedanken nicht verdichten
Möchte nicht mehr über Probleme berichten

Und ich möchte nicht mehr schreiben
So dass die schlechten Gefühle bleiben
Möchte mich nicht mehr an unerfüllten Erwartungen reiben

Und ich möchte nicht mehr lesen
So dass ich mich fühle, ach so belesen
Möchte nicht mehr zerstreut sein wie ein borstiger Besen

Und ich möchte nicht mehr von späteren Zeiten reden
So dass ich vor Angst nur so bebe
Möchte nicht mehr an Utopien kleben

So lange nichts mehr gekommen, nichts mehr geschrieben und doch so viel erlebt

Ich hasse schreiben, habe ich das schon mal klargestellt? Ich hasse es meine Gedanken aus dem WirrWarr meines Kopfes auf Papier tropfen zu lassen und diesen zersplitterten Haufen aus Nichtsagenheit von anderen lesen zu lassen. Diese leeren Worte eines verwirrt laufenden, gehenden Teenagers, dessen Füße schon taub sind, obwohl das Ende noch gar nicht in Sicht ist. Diese Wortfloskeln, Adjektive, Subjektive, Verben die zusammengereimt und einzeln verwirrt, einfach, bedeutend und nichtssagend sind; sein können. Ein schmerzhaftes Gefühl, dass sich an mich heftet wie eine Spinne und mir flüstert, wie wertlos das alles ist und die mich gleichzeitig diese obsoleten Metaphern, die ich verwende verfluchen lässt. Und doch, trotz allem, ist dies genau was ich will, diese Melancholie, dieses Gefühl, das mir zeigt, dass ich noch lebe, noch atme, noch existiere. Das mich nicht einfach nur auf meinem Bett sitzen über mein Versagen philosophieren lässt, sondern mich trotz allem an den Schreibtisch zehrt und mich meine Ängste ausspucken lässt.

Rituale

Schlafen.Essen.Scheißen.Schlafen.Ritual wiederholen.Schlafen.Essen.Scheißen.Schlafen.Ritual wiederholen.Schlafen.Essen.Scheißen.Schlafen.Ritual wiederholen.Fernseher einschalten.Lachen.Weinen.Schlafen.Ritual wiederholen.Schlafen.Essen.Scheißen.Schlafen.Ritual wiederholen.Anschreiben.Aufrufen.Anklicken.Lachen.Weinen.Schlafen.Ritual wiederholen.Sitzen.Liegen.Stehen.Schlafen.Ritual wiederholen.Schlafen.Essen.Scheißen.Schlafen.Ritual wiederholen.Spielen.Lieben.Reden.Schauen.Ritual wiederholen.Schlafen.Essen.Scheißen.Schlafen

Wo?

Und wenn ich wieder auf der Couch liege und auf Bildschirme starre

Wenn ich mir die Haare raufe und Zähne zusammen beiße

Und wenn ich sitzen bleibe, anstatt los zu rennen

Schüttel ich den Kopf und frage mich, wo ist die Lebenslust geblieben?

Wenn wir an blanken Tischen hocken und mit Handys Zeit vertreiben

Ich mich niemals umblicke, niemals im Augenblick geblieben

Lieber vom Glück weg laufen, wer braucht schon bleiben?

Und wenn wir unsere Haare raufen, frag ich mich, wo ist die Lebenslust geblieben?

 

Pfützen und Gassen

Es lebte einst nicht weit von hier ein kleiner Mann in einer Gasse
Der guckte alle traurig an und fragte: Willst du den Grund meiner Trauer erraten?
Und er saß in seiner Gasse, ergaunerte sich was er konnte, hatte nie viel Geld in der Tasche
Einmal kam ein Junge herein zu ihm und er fragte: Willst du ihn mir verraten?
Die Mäuse um den staubigen Mann herum quickten und er sagte
Ich lebe seit 5 Jahren hier und noch nie habe ich ein Kind in eine Pfütze springen gesehen
Sie alle sind nur noch schick angezogen und wollen teuer Essen gehen
Die Spiele der Kinder sind tot, alle haben sie Angst jemanden zu stören
Doch wen stört so etwas? Der Junge lachte
Das Plätschern war meilenweit zu hören

Ein Wald

Ich floh durch einen Wald
meine Hände waren steif, meine Füße kalt
Fühlte Hände an mir zerren, an mir reißen
Versuche mich vom Weg abzubringen
Es schmerzte, wie ich mit meinen Ängsten ringe
Doch einmal lachte mein Herz
Es sah am Ende des Waldes ganz einsam
Ein kleines Licht, dass auf es wartet
Und die Hände, die Wurzeln, die Angst die mich umschlungen
All dieser Krawall, das Geschrei war verklungen
Mein Herz erhob sich und ich spürte Geborgenheit

Herzensangelegenheit

Mein Herz liegt offen dar, ganz still und schwer hör ich es schlagen
Ich versuche es zu trösten, zu berühren ohne zu verzagen
Doch es weicht zurück und pumpt noch stärker
Blut und Angst und Ärger
Durch die Venen im Innern
es ekelt sich vor mir ohne sich zu errinnern
Was ich falsch getan, falsch entschieden
Nie bei dem was ich begehrte geblieben
Stattdessen weggelaufen, feig und blind
Taub und Dumm, besessen von der Angst vor Verlust
Während es pumpt ganz einsam in meiner Brust
Schon lange hab ich es nicht mehr besucht, es nicht versucht
Auf mein Herz zu hören ohne zu verzagen

Irgendwann

Irgendwann bist du aufgewacht in einer Welt, die du nicht gewählt hast
Einem Körper, der dir nicht zusagt

Einem Land, aus dem du mehrmals im Jahr fliehst
Irgendwann bist du aufgewacht in einer Welt, regiert von Macht und Geld
Einem Körper, einem kleinen Sandkorn in dieser weiten Welt
Einem Land, an dessen Regierung du kein Interesse hast

Dessen Wetter du hasst und lieber im Warmen liegst
Irgendwann bist du aufgewacht in einer Welt, in der du nicht zu den Größten gehörst
Einem Körper, der sich schüttelt, wenn du die Schreie der Anderen hörst

Einem Land, dass dich kalt lässt
Einem Umfeld, dass dir nicht perfekt gefällt

Einem Kopf, der durchdreht, während dein Verstand zerbricht
Und dein Körper sich schüttelt, betrachtest du den Nachrichtenbericht

Irgendwann bist du aufgewacht in einer Welt, die sich nicht um dich kümmert
Einem Körper, den das Äußere um dich nicht kümmert

Einem Land, dessen Wetteraussichten dich bekümmern.

Und du bleibst trotzdem hier

Der Knabe auf dem Fahrrad

Wohin, wohin eilt so geschwind
Der Knabe auf dem Fahrrad entgegen dem Wind?
Wo kommt er her, wo will er hin?
Mit verbeultem Fahrrad und kaputten Reifen
Wo kommt er her, wo will er hin?
Über Stock und Stein fährt er ganz schnelle
Eilt in den gefährlich` Wald ganz ohne Delle

 

Wo kommt er her, wo will er hin?
Der Knabe auf dem Fahrrad ist der Schäferssohn
Und der Hund ist entlaufen, den muss er fangen, sonst gibt´s kein Lohn!