Sleep’s for the weak

Hier eine kleine Geschichte, die ich für mein Theaterseminar geschrieben habe. Wir sollten eine Kurzgeschichte, Gedicht, Theaterstück, was auch immer über eine Situation, die einer Minderheit passiert schreiben. Über verschiedene Perspektiven, Unverständnis und Distanz. Vielleicht nicht die Minderheit, die man sich normalerweise vorstellt, aber ich denke psychisch beeinträchtigte (bsp. Schlafstörungen) sollten auch im öffentlich literarischen Diskurs vorhanden sein. Sind immerhin auch eine Minderheit. Ein, zwei Sachen (verschiedene Schriftarten, etc..) waren vom Format her etwas schwer aus Word in WordPress zu bringen (alle Spalten, Leeren sind gewollt). Hoffe man versteht trotzdem meine Intention! 

Anm: Die zweite Nachricht im Chat mit Simon ist natürlich von unserem Protagonisten, leider lässt mich WordPress das nicht richtig formatieren! Argh

 

Meine Augen reißen auf. Augenschmerzen. Augen reiben. Gähnen.

Uhrzeit: 4.30                     Gedanken.                                   Langsam.

Dunkelheit. Stille.             Ruhe?

Warum bin ich wach?

 

Schreit der Kleine wieder?

 

Nein  alles Gut.  Bin trotzdem wach. Aber ist ok, damit muss man doch leben können. Oder?

Leben und Ponyhof. Oder so. Jetzt bin ich schon mal wach. Einschlafen kann ich nicht mehr.

Also warum nicht was machen?

Handy raus.               Whatsapp Chat mit Simon.

Noch wach?^^ 1.30

Leider ja :/ hab Till scho längst ins Bett  gebracht

aber mich hält’s wach                                                   1. 30

Du armeer!      1.34

Scheiß Schlafkrankheit oder? ^^ 1.34

                                                                 Hörst du bidde mit dem emoji auf? argh                1.34

 

                                                                  Bidde sei noch wach!                                                  4.32

10 Minuten später: Immer noch keine Antwort. Überraschung des Jahres! Oder eher der Nacht. Die Stille lullt mich ein, verschlingt mich wie ein riesengroßes Monster sein Opfer. Meine Augen haben sich mittlerweile an die Dunkelheit gewöhnt. Meine Ohren gewöhnen sich nie. Ich sitze auf meinem Bett. Nein, nicht gut. Ich sollte liegen, so schlaf ich schneller wieder ein.                     Ich liege.

20 Minuten später: Rate mal wer wieder sitzt. Hab ich schon erwähnt, dass ich schwitze wie eine Sau. Wenn man das so sagen darf.

35 Minuten später: Handy wieder an.          Whatsapp Chat.              Rebecca

Fühle mich als ob meine Gedanken wieder langsam werden. Ganz      langsam.

Hey, zufällig noch wach? ^^ 5.07

Antwort = Null. Erinnert mich an Mathe. Früher hab ich das immer geliebt. Zumindest  ein bisschen. Vielleicht sollte ich paar alte Aufgaben lösen? Wenn ich doch eh nicht schlafen kann?  Machen das normale Menschen?

 

52 Minuten später: Handy. Blaues Licht. Gruppenchat. Rebecca, Timo, Chris, paar Andere

 

Timo

Warum imma so spät auf? 😀  0.46

                                                                                               Meinst du so spät? 😀 5.24

Vielleicht krieg ich so mehr Aufmerksamkeit. Scheiß Emoji:     Doppel       Punkt      D

Das einzige D was ich jetzt brauche wäre Ruhe in meinem BeD.

Ein bisschen Schlaf

Ein bisschen Ruhe

Ein bisschen…

Nur….

 

 

30 Minuten später:

Meine Augen reißen auf. Augenschmerzen. Augenreiben. Gähnen.

Uhrzeit: 5.54                       Gedanken.                                   Langsam.

Dunkelheit. Stille.               Ruhe?

Warum bin ich wach?

Mein Handy blinkt neben mir. Leer.       Nachrichten immer noch gleich null.

Uhrzeit. Scheiße, scheiße:   Es ist schon so spät. Ich krieg nicht genug Schlaf, wieder.

Morgen wird mich überfordern. Pack ich das?

  1. Arbeit
  2. Den Kleinen zum Kindergarten bringen
  3. Mich stressen

Mehr und mehr. Schweißt tropft wie das kaputte Rohr in der Küche. Ich möchte doch einfach nur    Ruhe. Ist das so schwer.

26 Minuten später: Gott sei Dank bin ich doch noch eingeschlafen. Ging ja so schnell. Jetzt muss ich wirklich aufstehen. Der Kleine wird auch bald wach sein.

Handy leuchtet auf.         Whatsapp Chat mit Simon.

Ich versteh echt nicht warum du nicht einschlafen kannst 😦 6.20

Danke für die netten Worte. Bringen echt viel.

2 Stunden später: Auf der Arbeit. Kommentare. Der Chef merkt an: Meier, Sie sehen aus wie Scheiße!

Danke, dass ihr auf meinem Blog vorbeigeschaut habt!

  • Eintrag 243 in „Sleep’s for the weak“                                                              2 Gefällt mir

Keine Kommentare

Advertisements

Was ich möchte

Und ich möchte nicht mehr dichten
So dass sich die Gedanken nicht verdichten
Möchte nicht mehr über Probleme berichten

Und ich möchte nicht mehr schreiben
So dass die schlechten Gefühle bleiben
Möchte mich nicht mehr an unerfüllten Erwartungen reiben

Und ich möchte nicht mehr lesen
So dass ich mich fühle, ach so belesen
Möchte nicht mehr zerstreut sein wie ein borstiger Besen

Und ich möchte nicht mehr von späteren Zeiten reden
So dass ich vor Angst nur so bebe
Möchte nicht mehr an Utopien kleben

So lange nichts mehr gekommen, nichts mehr geschrieben und doch so viel erlebt

Ich hasse schreiben, habe ich das schon mal klargestellt? Ich hasse es meine Gedanken aus dem WirrWarr meines Kopfes auf Papier tropfen zu lassen und diesen zersplitterten Haufen aus Nichtsagenheit von anderen lesen zu lassen. Diese leeren Worte eines verwirrt laufenden, gehenden Teenagers, dessen Füße schon taub sind, obwohl das Ende noch gar nicht in Sicht ist. Diese Wortfloskeln, Adjektive, Subjektive, Verben die zusammengereimt und einzeln verwirrt, einfach, bedeutend und nichtssagend sind; sein können. Ein schmerzhaftes Gefühl, dass sich an mich heftet wie eine Spinne und mir flüstert, wie wertlos das alles ist und die mich gleichzeitig diese obsoleten Metaphern, die ich verwende verfluchen lässt. Und doch, trotz allem, ist dies genau was ich will, diese Melancholie, dieses Gefühl, das mir zeigt, dass ich noch lebe, noch atme, noch existiere. Das mich nicht einfach nur auf meinem Bett sitzen über mein Versagen philosophieren lässt, sondern mich trotz allem an den Schreibtisch zehrt und mich meine Ängste ausspucken lässt.

Rituale

Schlafen.Essen.Scheißen.Schlafen.Ritual wiederholen.Schlafen.Essen.Scheißen.Schlafen.Ritual wiederholen.Schlafen.Essen.Scheißen.Schlafen.Ritual wiederholen.Fernseher einschalten.Lachen.Weinen.Schlafen.Ritual wiederholen.Schlafen.Essen.Scheißen.Schlafen.Ritual wiederholen.Anschreiben.Aufrufen.Anklicken.Lachen.Weinen.Schlafen.Ritual wiederholen.Sitzen.Liegen.Stehen.Schlafen.Ritual wiederholen.Schlafen.Essen.Scheißen.Schlafen.Ritual wiederholen.Spielen.Lieben.Reden.Schauen.Ritual wiederholen.Schlafen.Essen.Scheißen.Schlafen

Wo?

Und wenn ich wieder auf der Couch liege und auf Bildschirme starre

Wenn ich mir die Haare raufe und Zähne zusammen beiße

Und wenn ich sitzen bleibe, anstatt los zu rennen

Schüttel ich den Kopf und frage mich, wo ist die Lebenslust geblieben?

Wenn wir an blanken Tischen hocken und mit Handys Zeit vertreiben

Ich mich niemals umblicke, niemals im Augenblick geblieben

Lieber vom Glück weg laufen, wer braucht schon bleiben?

Und wenn wir unsere Haare raufen, frag ich mich, wo ist die Lebenslust geblieben?

 

Pfützen und Gassen

Es lebte einst nicht weit von hier ein kleiner Mann in einer Gasse
Der guckte alle traurig an und fragte: Willst du den Grund meiner Trauer erraten?
Und er saß in seiner Gasse, ergaunerte sich was er konnte, hatte nie viel Geld in der Tasche
Einmal kam ein Junge herein zu ihm und er fragte: Willst du ihn mir verraten?
Die Mäuse um den staubigen Mann herum quickten und er sagte
Ich lebe seit 5 Jahren hier und noch nie habe ich ein Kind in eine Pfütze springen gesehen
Sie alle sind nur noch schick angezogen und wollen teuer Essen gehen
Die Spiele der Kinder sind tot, alle haben sie Angst jemanden zu stören
Doch wen stört so etwas? Der Junge lachte
Das Plätschern war meilenweit zu hören

Ein Wald

Ich floh durch einen Wald
meine Hände waren steif, meine Füße kalt
Fühlte Hände an mir zerren, an mir reißen
Versuche mich vom Weg abzubringen
Es schmerzte, wie ich mit meinen Ängsten ringe
Doch einmal lachte mein Herz
Es sah am Ende des Waldes ganz einsam
Ein kleines Licht, dass auf es wartet
Und die Hände, die Wurzeln, die Angst die mich umschlungen
All dieser Krawall, das Geschrei war verklungen
Mein Herz erhob sich und ich spürte Geborgenheit

Herzensangelegenheit

Mein Herz liegt offen dar, ganz still und schwer hör ich es schlagen
Ich versuche es zu trösten, zu berühren ohne zu verzagen
Doch es weicht zurück und pumpt noch stärker
Blut und Angst und Ärger
Durch die Venen im Innern
es ekelt sich vor mir ohne sich zu errinnern
Was ich falsch getan, falsch entschieden
Nie bei dem was ich begehrte geblieben
Stattdessen weggelaufen, feig und blind
Taub und Dumm, besessen von der Angst vor Verlust
Während es pumpt ganz einsam in meiner Brust
Schon lange hab ich es nicht mehr besucht, es nicht versucht
Auf mein Herz zu hören ohne zu verzagen

Irgendwann

Irgendwann bist du aufgewacht in einer Welt, die du nicht gewählt hast
Einem Körper, der dir nicht zusagt

Einem Land, aus dem du mehrmals im Jahr fliehst
Irgendwann bist du aufgewacht in einer Welt, regiert von Macht und Geld
Einem Körper, einem kleinen Sandkorn in dieser weiten Welt
Einem Land, an dessen Regierung du kein Interesse hast

Dessen Wetter du hasst und lieber im Warmen liegst
Irgendwann bist du aufgewacht in einer Welt, in der du nicht zu den Größten gehörst
Einem Körper, der sich schüttelt, wenn du die Schreie der Anderen hörst

Einem Land, dass dich kalt lässt
Einem Umfeld, dass dir nicht perfekt gefällt

Einem Kopf, der durchdreht, während dein Verstand zerbricht
Und dein Körper sich schüttelt, betrachtest du den Nachrichtenbericht

Irgendwann bist du aufgewacht in einer Welt, die sich nicht um dich kümmert
Einem Körper, den das Äußere um dich nicht kümmert

Einem Land, dessen Wetteraussichten dich bekümmern.

Und du bleibst trotzdem hier