ich sitze am strand

ich saß abends immer in meiner unterhose

ich betrachtete die see

ich duschte

ich badete

ich zog mich aus

ich zog mich an

ich saß morgens immer am frühstückstisch

ich kleidete mich selten gut

ich betrachtete die nachrichten

ich sah zerlumpt aus

ich saß mittags immer am bürotisch

ich verhandelte über das telefon

ich rief meine vorgesetzten

ich schrie an den spiegel der toilette

ich saß unruhig da

ich pendelte

ich ging nach hause

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Ein Treppenhaus im Wintermorgen

Ich stürmte die Treppen entlang. Die Treppen stürmte ich entlang: Immer und wieder, immer wieder. Rauf, runter, das Ganze noch einmal und wieder; runter und Rauf. Grimassen neben mir begleiten mich, weiche milchig weiße Haut auf schwarzem Hintergrund. Hintergrund, der hinter mir meine Existenz begründet, der Grund für das, was hinter mir steht. Ich blinzle, eine Fliege fliegt und ein Blinzler wie ich blinzelt. Wieder eine, ein ganzer Schwarm: Ineinandverkeilte Lebewesen und Lebenswesen, die sich ansammeln. Im Treppenhaus. Ich trat durch eine Tür, ich schaue mich um; schon wieder. Doch schon wieder zu wider im Treppenhaus. Erneut nach Oben, sofort wieder nach unten. tage monate wochen verstreichen im haus das gar keines ist und ich gehe gehe mehr und stehe selten meine gesamte struktur ist zerfallen und besteht nur noch mehr aus maschinen der maschine die ich bin die maschinen die ihr seid doch dann: Da ist es wieder, ein kleiner Sinn, der sich mir entsinnt und ich brülle,schreie,laufe,zerremeineKleider,schreie,brülleundzerre. Ein riesengroßer Knäuel aus gednakenwndaerungen. Saß wieder im Treppenhaus ohne Bedenken, alles gut, schüttete mir einen hinter die Binde und band meine Schmetterlinge an. Mein Mund ist trocken, Wasser         so                fern: SO fühlt eS sich an. Gehe ich immer noch?

He, Hey, Hallo!! Ja du…

Bist du auch hier allein. ich frage leise ich möchte nicht stören ich bin doch nur ein kleiner fragensteller

Da summte es wieder an meinem Ohr, mir ist alles zuwider. Ich laufe

Immer noch

Im Treppenhaus stürme ich entlang, ich stürmte die Bastille, ich schreie, ich   zerre. Tue,mache,Taten,worte,Irgendwas,nichts. Wofür das Ganze?

tage monate wochen: Die MAschinEN engen mich ein, siezerren,siereißen,ichschreie und laufe.

Gefangen: Zusammenwirbeide. Ganz         allein             in unserem Treppenhaus. Siehst du die Schmetterlinge?

My child and I sleep alone at night

Heute mal in der Zweitsprache: Wer mehr von mir auf Englisch haben will, kann mich gerne auf https://medium.com/@SpaceLain besuchen. Heute hier, weil die Formatierung auf Medium leider nicht ganz meinen Wünschen entsprach! 

There he comes again

little, little BIG steps

Coming                                           far           andnear

The RainMan is here

Singing and dancing

Shouting and laughing

My Children:

Here             I                come

 

Little steps on the great wide roof

 

The roof sounds

The roof shouts

The roof cries

 

Alone with thoughts w  a  d n reing

Up Down Down Up                            Ups and Downs

Everywhere you look

And then: Then, THEn, THEN

Little steps on the great wide roof

A man, A woman, A child?

1,2,3,4 Five or six?

How many? Intruders, thieves or murderes?

Where and how?

 

 

Alone at night

 

 

The roof sounds

The roof shouts

The roof cries

Flash Fiction

 

Sonntagabend: Kurz vor Montag, vorrauschauende Stressbewältigung für die kommende Woche. Laptop an, Bildschirm öffnen und dazu passend die Hose auch. URL – Adresse eingeben: Nuller und Einser verbinden sich, bilden eine Symbiose, die mich auf eine oft geklickte Seite bringt. Augen wandern über den Bildschirm, verschiedene Farben; schwarz, weiß, Videos über Videos. Groß, klein, blond, brünett, ganz abstrus mit Lila oder Blau. Genres, Arten, Länge, alles fein säuberlich klassifiziert und unterteilt: Userfreundlich. Der innere Hund treibt einen an, schnell das Erstbeste gewählt, weiterer Stoff wird entfernt. Neuer Stoff wird visuell eingesogen. Die Maschinerie beginnt, arbeitet stetig: Routine im Schlafzimmer.

 

Mittwochmorgens: Buchstäblich die Mitte der Woche erwischt, dafür aber keine Bahn. Verschwitzte Hände stützen sich auf durchnässte Jeans, die kleben an Beinen, welche wiederum auf kalten Metall sitzen. Der zugehörige Mensch zu all diesen Teilen schaut verdrossen durch die Bahnhofshalle und flüstert vor sich hin. Nebenstehende Beobachter verstehen kein einziges Wort, sollen sie auch nicht. Eine Dame auf der rechten Seite drückt ihre Handtasche an sich wie eine kugelsichere Weste. Es ist eine friedliche Nachbarschaft, aber Kontrolle ist immer noch besser, als Vertrauen. Der nächste Ottonormalbürger neben ihr schwitzt vor sich hin und starrt auf sein Handy: S-Bahn fällt aus.

 

Freitagnachmittag: Die letzten quälenden Stunden im Büro verstreichen mit der Leichtigkeit eines Elefanten. Man sitzt sich schweigend gegenüber und spielt ab und an Anstarren mit weniger peinlicher Berührtheit als normalerweise. Graue Bildschirmränder, die schwarze Leere enthalten werden betrachtet von grauen Menschen, die Leere enthalten. Die Stille liegt wie ein Teppich, der seit langen nicht mehr sauber gemacht wurde, über der ganzen Szenerie. Alle hier versammelten Menschen wurden darunter gekehrt, von der Gesellschaft vergessen, wie sie in ihren kleinen grauen Wänden hocken, während der Rest da draußen schon seinen Spaß hat. Wochenende, Wochenende schreibt man euphorisch von draußen. Stimmung gleich null.

 

Samstagmittag: Kuchenstücke serviert mit Kaffee und extra Zucker in allen Variationen. Kalt und heiß wechseln sich ab, kreieren wunderbare Explosionen des Geschmacks. Die kleinen Freuden des Lebens, die jeder für sich selbst genießt, unteilbar mit dem Rest und doch verbunden im Erlebnis. Äußerlich nur eine Ansammlung von Ess- und Schmatzgeräuschen, innerlich eine Kaskade an Eindrücken. Der Kaffee spült den Kuchen runter, vermischt ihn mit all dem anderen Verdauten in der Magengegend und rundet alles ab. Zucker, Fett und andere Inhaltsstoffe gesellen sich zu bereits Zersetztem und noch auf seine Zerstörung wartendem. Von außen erneut nur leichte Geräusche, ansonsten einvernehmliches Schweigen.

 

Dienstagvormittag: Montag ist bereits geschafft, wie eine Walze über einen gerollt, ohne, dass man sich viel gebrochen hat. Man ist ja stark und steht schnell wieder auf. Also wird die Parade erneut gestartet, nächster Arbeitstag alle tanzen an, stellen sich auf und beginnen, nach gegenseitigen Begrüßungsritualen, mit der Arbeit. Normaler Dienstag, man ist immer noch etwas geschafft, vermisst seinen alten Geliebten das Wochenende und freut sich auf die Zukunft, aber nur solange bis man frei hat. Weiter möchte man nicht denken, wir sind noch jung. Eine Kette aus Büros, nur unterbrochen von strikt nach Geschlechtern getrennten weißen Toiletten erstreckt sich.

und Antwort

Every machine starts and ends with a gear. 

F….

Naja, ich denke die Industrie hat uns schon lange hinter sich gelassen. Verstehen Sie, was ich meine? Auch wenn der normale Alltag natürlich immer konzernorientierter wird. Eine einseitige Beziehung sozusagen.

F….

Der eine Partner fokussiert sich die auf den anderen, gibt haufenweise Geld für ihn aus und schenkt ihm Aufmerksamkeit. Der andere schaut alle paar Monate vorbei, wie alles läuft, ob alles beim alten ist und bleibt sonst auf Abstand. Vielleicht weiß der andere gar nicht, dass man eine wirkliche Beziehung hat oder auch nur möchte.

F….

Mauern Sie mich nicht fest auf meine Vergleiche. Ich denke das Thema wurde schon zu oft besprochen, von Diskussionen, Kunst bis Filme. Aber leider anscheinend nicht oft genug oder nicht direkt genug. Damals im Studium haben wir immer über Marx geredet, während wir unseren Chai Latte schlürften.

F…..

Klar, schon wieder ein zu oft benutztes Klischee oder? Der kommunistische Student, der kapitalistisch einkauft. Es ist ja auch viel leichter zu denken, als zu handeln. Ein bisschen, wie diese Mackerideologie: Auf den Straßen ein knallharter Hund, im Bett ein weicher Kern. Kommt beides gut bei den Frauen an, am Vormittag überzeugt über den Sozialismus diskutieren und am Abend ihr die neue Michael Kors Tasche schenken.

F…..

Ich ziehe nicht nur Frauen da rein, Sie verstehen mich falsch. Ist natürlich eine Mentalität, die wir alle teilen. Zumindest die meisten. Man würde nur meinen, dass Frauen mehr verpflichtet sind attraktiv und hübsch zu sein und wenn man attraktiv und hübsch sein soll, dann muss man kaufen, kaufen, kaufen. Die neuste Kleidung, Schminke, Schönheitsprodukte. Ein gesamtes Sortiment, perfekt zugeschnitten auf alle Bedürfnisse.

F…..

Als Mann muss man auch ordentlich aussehen, aber meistens eben nur das: Ordentlich, einigermaßen, wenn ich mal nicht so schick aussehe, hatte ich wahrscheinlich einfach nur einen schlechten Tag, kann jedem passieren. Ein Mann mit einer Jogginghose: Vielleicht arbeitslos, noch keinen Job, aber wahrscheinlich einfach gerade nicht so viel zu tun, geht doch alles in Ordnung. Eine Frau auf der anderen Seite wird wieder problematischer, ist auf jeden Fall nicht damenhaft.

F…..

Oh nein, das stimmt natürlich nicht. Männer konsumieren eben anders und denken Sie bitte darüber nach, ich gehe hier nach dem Durchschnitt, natürlich sind nicht alle Männer und Frauen gleich. Wir sind Ablenkungs- und Unterhaltungskonsumenten. Vom Fußballspiel, dass man nach einem harten Arbeitstag schaut, um sich nicht mehr mit dem Job beschäftigen zu müssen, über Filme und Videospiele. Wenn man Geld für Äußerlichkeiten ausgibt, dann meist für den Status: Eine neuer teurer Anzug, mit passender Rolex und polierten Schuhen.

F…..

Genau, wir sind schon lange keine nutzorientierte Gesellschaft mehr, zumindest nicht, wenn es um Überleben geht. Wie viel Ihrer monatlichen Ausgaben brauchen sie denn wirklich? Theoretisch sehr wenig und das wissen wir aber natürlich.

F….

Hier liegt das fundamentale Problem: Wir wissen wo unsere Probleme liegen, wir erkennen falsche Strukturen, aber trotzdem ändern wir so selten unsere Lage.

F….

Was ich vorschlagen würde? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Wir sollten nicht nach der Devise handeln, erst kaufen, dann denken, sondern uns mehr mit der Materie beschäftigen. Aber was weiß ich denn schon, ich trinke auch immer noch meinen Chai Latte.

Gedanken eines Nilpferds auf dem Weg zur Kreuzigung (Numero Duo)

Ich weiß nicht, ob der der normale Leser sich eine solche Situation vorstellen kann, hoffe aber trotzdem auf Empathie dieser gegenüber mir. Es ist gerade 12.30 und ich habe es geschafft meinen wuchtigen Körper auf den kleinen Stuhl meiner Gefängniszelle zu bewegen. Genau, dort befinde ich mich gerade: Im Gefängnis. Mein Höhenausflug aus dem Fenster von Manni’s Wohnung war nicht gerade ein gelungenes Experiment und hat zu allem Überfluss noch ein paar Kratzer hinterlassen; als hätte ich es nicht geahnt. Das Leben im Gefängnis ist einigermaßen langweilig und nicht gerade der Ort meiner Träume. Meine Zelle besteht aus einem kleinen Bett, einem Tisch mit Stuhl, einem vergitterten Fenster mit Ausblick auf verschwitzte Mitstraftäter, die draußen Basketball spielen und einer kleinen Toilette mit angebundenem Waschbecken. Alles in allem ungefähr 1.5 Sterne. Leider alles ein bisschen zu klein für meine Ausmaße, aber man gewöhnt sich bekanntlich an vieles. Mein Fall war für die Anwälte in ihren schwarzen Einheitsanzügen, die sich teilweise arg über ihren Bauch spannen, natürlich sofort klar. Mit der Mordwaffe in der Hand, übte ich athletische Bewegungen, während die Polizei mich verfolgte. Noch verdächtigter geht es wahrscheinlich nicht.

Aktueller Stand ist also, ich sitze in meiner Todeszelle und warte so ziemlich auf mein Ende. Nicht gerade die angenehmste Zeit. Etwas angenehmer war aber, dass mir als einer meiner letzten  Wünsche ein kleines bisschen Papier mit passendem Stift dazu gebracht wurde. Letzterer ist ein Fineliner, nicht besonders spitz, also als Waffe nicht gerade geeignet. Aber über sowas würde ich natürlich gar nicht erst nachdenken. Man hat es vielleicht noch nicht rausgehört, aber eigentlich bin ich eher eine kreative Person, kein Mörder. Ich schreibe und lese viel, ab und zu spiele ich die Tuba. Man hat mir also netterweise etwas zum Schreiben gebracht und neben dutzenden kleinen Geschichten, die mir immer im Kopf herumschweben, schreibe ich nun auch diese bestimmte hier auf; als Memoiren sozusagen. Komischerweise wirkt mein Kopf so leer und auf meinen zwar ohnehin massiven Schultern auch ziemlich schwer. So als hätte jemand eine Darmspülung  gemacht, nur dass man sich an der Stelle vertan hat. Oder so, als ob ich die Worte in meinem Kopf falsch geparkt hätte und sie deshalb nicht finden konnte. Vielleicht sollte ich einfach ein bisschen meine Gedanken frei laufen lassen, wie ein kleines süßes Pony auf einer riesigen Weide. Nur dass meine wahrscheinlich nicht von Blümchen und Regenbogen, sondern von meinem Tod handeln würden. Ich lasse es also laufen, wie irgendein Halbtagskomiker wahrscheinlich gerne sagen würde.

Ah, da ist doch schon etwas: Ein Gedanke, mehr ein Text. Vision möchte ich nicht sagen, Poet bin ich -zumindest noch- nicht. Ich weiß allerdings nicht ganz woher das Ganze kommt, vielleicht ein Songtext oder ein Gedicht? Fakt ist, ich… ich weiß gar nicht mehr so ganz wie. Irgendwie fühle ich mich           etwas                 benebelt,      als            würde alles                        in Zeitlupe                     ablaufen. Verdammt, mein Kopf ist          schwer.  Da hab ich den Gedanken wieder:

Deep down I walk

In a desert full of sand 

As my feet crumble

And life turns to dust 

Als hätte ich den Fernseher eingeschaltet sehe ich die Szene vor mir. Ich zwischen zwei gleich großen Wächtern, die mich zu einer Liege bringen. Mein wuchtiger Körper wird manövriert, ich werde angekettet. Die Spritzen werden vorbereitet, fast erinnert mich das Ganze an einen gruseligen Arztbesuch als Kind und langsam fließt die kleine Flüssigkeit in mich. Wie ein kleiner Engel, der mich von oben nerven möchte, höre ich die letzten Worte, meinen Namen:

Benedict Nasser

Und das Theater ist zu Ende.

 

 

Gedanken eines Nilpferds auf dem Weg zur Kreuzigung (Numero Uno)

Manni war ein aufrichtiger Mensch, niemals viel Bares in der Hand, kam er auch nie nur auf die Idee etwas zu stehlen. Das wenige Geld, das sich ab und an in seinen Geldbeutel verkroch, wo es natürlich nicht lange blieb, zeigte sich au an seinem Aussehen. Schwarzes, verfilztes Haar, zerrissene Kleidung.

Paradebeispiel eines Schlechtverdienerklischees. Interessanterweise wurde Manni trotz seiner vielen schlechten Lebensentscheidungen, die in seiner nahezu vollständigen Insolvenz resultierten, seinem wirklich nicht ansehnlichem Äußerem und anderen negativen Faktoren, nie zu einem hoffnungslosen Nihilisten oder sogar nur ein kleiner Pessimist. All die Zeit, die er so um die Gegend zog, auf Straßen latschte und Leute bequatschte, trug er immer ein kleines metaphorisches Stück Hoffnung in seinem Herzen und seinem Köpfchen. Blöderweise hatte sich zu letzterem neben seiner unumstößlichen Hoffnung nun auch eine Kugel Kaliber .44 dazugesellt. Direkt durch die Schädeldecke geschlagen hat sie sein vormals positives Gehirn in eine trostlose Ansammlung Matsch verwandelt. Positiv war hingegen, dass der nächste Mieter des kleinen Zimmers, in dem Manni so lustlos lag, sich einen neuen Anstrich sparen musste. Die Wand war in schimmernden Rot gehalten. Eine angesagte Farbe in letzter Zeit, zumindest in diesem Viertel.

Einem zugegeben nicht sonderlich vornehmen Viertel, bewohnt von nicht gerade vornehmen Gestalten, wie zum Beispiel mir. Dem selbsternannten Erzähler und dazu noch Vagabunden dieser Geschichte. Interessanterweise erzähle ich nämlich nicht nur, ich bin auch Teil des Ganzen. Im Moment sitze ich auf einer verstaubten und sicherlich seit Urzeiten nicht mehr gewaschenen Bettdecke und starre auf Mannis kahl rasierte Birne, während meine verschwitzten Hände die schändliche Waffe halten. Man möchte zuerst meinen, ich wäre doch der Schurke des ganzen Schauspiels, aber ich kann alles fein säuberlich erklären.

Doch vorerst verlege ich meinen wuchtigen Körper -ich betreibe seit Jahren keinen Sport mehr und nehme mir seit noch längerem vor wieder fitter zu werden- an eine andere Stelle oder versuche es zumindest. Aus weiter Ferne bahnt sich nämlich ein in diesem Viertel ungern, wenn auch meist selten gehörtes Geräusch an. Eine heulende Sirene, wie aus einem Märchen. Die Infanterie kommt. Sicherlich besser ausgebildet und ausgerüstet, als ich und da ich schon genug wie der Bösewicht dastehe, sollte ich mich zumindest vor den Augen Vater Staats als rechtschaffender Bürger präsentieren. Der Entfernung der Sirene nach zu urteilen bleibt mir genug Zeit, um einfach aus der Vordertür zu spazieren, als hätte ich gerade nur einem alten Freund einen Besuch abgestattet. Zu einem gewissen Grad stimmt das ja auch, aber dazu kommen wir später. Allerdings würden mich bei einem bequemen Spaziergang durch die Tür einige vielleicht etwas mehr um das Gesetz bemühte Genossen als ich selbst erblicken und die Kavallerie verständigen. Keine gute Option.

Bleibt also nur das Fenster der schäbigen Erdgeschoss Wohnung, glücklicherweise nicht allzu hoch gelegen. Ein halbes Aquarium fließt mir mittlerweile über die Haut, im Sommer werden wir hier meist mit Temperaturen die der Hölle gleichen gesegnet. Die Sirenen, jetzt scheinen es schon mehrere zu sein, werden lauter und ich unternehme den Kraftakt mich durch das Fenster zu schwingen, um auf der Straße zu landen. Wobei die ganze Bewegung wahrscheinlich eher weniger an einen glamourösen Schwung, als eher an einen fatalen Fehler erinnert. Mathematik war nie meine Stärke und so präsentiert sich mir der Boden in einer größeren Distanz und mein Fall in einer höheren Geschwindigkeit als erwartet. Ein Schrei kommt nicht mehr über meine Lippen, es klingt eher wie ein verzweifeltes Glucksen Sekunden vor dem Aufprall. Das wird Narben hinterlassen.

 

 

Buchtage

29.02.1956

Habe gut gefrühstückt heute. Erst ein Spiegelei und etwas Brot. Dann noch etwas Wasser dazu. Ich versuche seit einiger Zeit gesünder zu leben. Doch die Arbeit macht mich wieder krank, ich fühle es. Überall, in meinem gesamten Körper bebt es. Heute morgen mussten wir erneut eine Niederlage einstecken, der neuste Patient brachte uns keine brauchbaren Informationen ein. Das Einzige, das nach 143 Minuten aus seinem Mund zu hören war, waren zwei Wörter: West Nine.  Was auch immer das zu sein scheint, es hat keinerlei Relevanz zu unserem Fall. Die bisherigen Patienten der letzten Versuche zeigten sich erneut lethargisch. Auch nach verschiedenen Kommunikationsversuchen verweigerten sie jegliches Gespräch. Die meisten sitzen auf ihren Betten, einige wenige auf dem Boden und starren vor sich hin. Wenn wir bald eindeutige Ergebnisse liefern sollen, muss sich dringend etwas ändern. Ich werde morgen mit dem zuständigen Leiter sprechen und eine Steigerung der Dosis beantragen.

30.01.1956

Ich kann es gar nicht fassen. Eine einmalige Chance hat sich mir heute aufgetan. Doktor Nasser sprach mich auf dem Flur des Krankenhauses an, als ich wie immer durch den Korridor eilte. Allein schon wie er mich ansprach, ich dachte mir sofort, da steckte mehr dahinter. Hastig zog er mich dann in sein Büro und erklärte mir alle Einzelheiten. Das Austesten einer neuartigen Droge, um Resultate über die Wirksamkeit psychoaktiver Stoffe auf den Menschen zu gewinnen. Wozu genau diese Ergebnisse dienen sollten wurde mir nicht erläutert. Höchstwahrscheinlich zur Kriegsführung oder ähnlichem. Der Befehl schien nämlich von weiter oben zu kommen. Aber man stelle sich nur mal vor: Mein Name in großen Buchstaben als Leiter einer revolutionären Teststudie. Allerdings erwähnte Doktor Nasser, dass das Ganze vor erst nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte. Ich musste es ihm sogar hoch und heilig versichern. Aber ich bin mir sicher, ich werde meinen verdienten Ruhm noch bekommen.

2.03.1956

Subjekt SC 023. Immer wieder spreche ich diese Bezeichnung aus. SC 023. Die Arbeit ist schon lange zu Ende, ich sitze alleine zu Hause. Es fing alles wie gewohnt an: Mister Su informierte mich über ein neues Testsubjekt. Wie immer gab es nicht viele Informationen über ihn. Er schien ein ehemaliger Häftling zu sein, kleinere und größere Tattoos zogen sich über seinen gesamten Körper. Die spärlichen Akten, die ich erhielt präsentierten erneut bloße physische Daten und eine kurze psychologische Evaluation. Kein Wort über seine Vergangenheit oder sein früheres Leben. Nach einem kurzen Gespräch, in welchem ich ihn wissen ließ, was für eine wichtige Arbeit wir hier leisten, wurde er wie das Protokoll verlangt an sein Bett gefesselt. Es war natürlich keine Überraschung, dass er sich zu erst mit Händen und Füßen wehrte, er zeigte hierbei seine in den Akten vermerkte „außerordentliche physische Stärke“. Für einen Moment hatte ich schon Angst er würde sich befreien können. Nach einiger Zeit beruhigte er sich und atmete wieder regelmäßiger.  Ich begann den Versuch zu unternehmen eine vertrautere Atmosphäre aufzubauen, indem ich ein Gespräch mit ihm begann. Er wehrte jedoch beinah jegliche Kommunikation ab. Aus einem beifälligen Kommentar erfuhr ich nur, dass er sein Geld als Gitarrenspieler verdiente. Nach einiger Zeit brach ich von selbst das Gespräch ab, das gesamte Experiment zerrt schon genug an meinen Nerven. Wie verordnet injizierten zwei Hilfsärzte ihn kurz darauf mit einer Dosis von 380µg. Ich hatte mich in diesem Moment schon längst wieder in mein kleines Büro begeben und machte mich darauf gefasst, wieder einmal einen ereignislosen Nachmittag hinter mich zu bringen. Doch was dann passierte…

5.03.1956

Schlaf wird ein immer seltener Besucher für mich. Verworrene Träume und Spukgestalten halten mich nächtlich wach. Früher konnte ich zumindest etwas Schlaf zwischen meinen Sprechstunden oder für kurze Zeit in meinem Büro bekommen, doch jetzt. Nach allem was die letzten Tage passiert ist, ist die gesamte Einrichtung in vollkommener Bereitschaft. Zeit zum Schlafen bleibt keine. Immer öfter ertappe ich mich jedoch dabei, wie ich diesen Satz flüstere. Geistesabwesend, ich achte gar nicht wirklich darauf, fast als würde eine andere Kraft mich steuern.

Deep down I walk

In a desert full of sand 

Ich sollte langsam anfangen mehr Fragen zu stellen.

SAND

Sehr geehrter Herr …….                                                                                        10. Januar ……….
wir haben erneut eine Anomalie in ……. entdeckt. Diesmal haben wir es mit einem größeren Radius als je zuvor zu tun. ………. und …………. sind vor Ort und untersuchen die Eruptionszone. ……. besaß schätzungsweise … Einwohner, von denen alle soweit wir feststellen konnten durch den Vorfall verschwunden sind. Die Situation ist nicht nur aufgrund ihres Ausmaßes brisant: Die Opfer waren dieses Mal nicht nur ………… sondern  ganz normale Bürger. Wir konnten bislang zwischen ihnen, bis auf ihren gemeinsamen Wohnort keine Gemeinsamkeiten feststellen. …………………………………………………………………………………………………..

Die ……signatur des Ortes weist keinen großen Unterschied zu den vorherigen Unfallstellen in ……….. ………… ……………. und …………… auf. Die …….. Aktivität kurz vor dem Vorfall verzeichnet hingegen Werte wie nie zuvor.  Wie die letzten Male sind die …… aus denen die Opfer verschwunden sind unversehrt. Die komplette Infrastruktur ist immer noch intakt. Allerdings fand unser Team erneut Sand an mehren Stellen in und nicht weit außerhalb der Stadt. Wie bereits zuvor scheinen die Opfer während ihrer alltäglichen Beschäftigungen …………………. und verschwunden ……………. Eine Division zur Absicherung der Stelle wurde bereits beordert …………………………………………………………………………………………………………..

Lt. Davis ……….

Base ……………..

Alpha Team

3. Divison

A little song

Ich bin Schriftsteller. Bin es schon immer gewesen. Von klein auf bis zum heutigen Tag und dieser verspricht vielversprechend zu werden. Es fühlte sich an, als wäre ich mit dem richtigen Fuß aufgestanden, ich hatte gut gefrühstückt und es fiel mir leichter zu schreiben, als die letzten 2 Wochen. Gerade sitze ich im einem kleinen Kaffeehaus direkt an der Ecke meiner Wohnung, trinken einen kleinen Kaffee ohne Milch oder Zucker und höre der Stadt zu. Die Menschen, die sich unterhalten, die Autos und ihr Lärm und die Vögel mit ihrem Zwitschern. Und von irgendwo her an den Rand meines Gehörs stößt auch ein neues Geräusch: Eine Stimme, eine Melodie, ein Lied.

Deep down I walk

In a desert full of sand 

Like a city full of people

And I still feel alone

Eine fremde Melodie, deren Ursprung ich nicht ausmachen kann. Ich gebe meine Versuche aber auch schnell auf, ist sie doch viel zu schön um nicht aufmerksam zuzuhören. So geborgen fühle ich mich, so sicher. Ganz schwer ist mir, schon ganz…

Seit wann sind meine Augen so schwer? Schon so schwer.

Und ich…. Sinke.       Hinab.

Plötzlich wache ich auf. Ich fühle mich wie aus einer Trance befreit. Meine Sicht ist immer noch ganz vernebelt aber. Moment was ist das? Es ist auf einmal ganz anders hier. Nicht mehr laut und kalt, es ist so warm. Regelrecht heiß! Und dann noch diese unerträgliche Stille. Was? Meine Augen versuchen sich hektisch an die Umgebung zu gewöhnen. Gewöhnen sich. Meine Lieder ziehen hoch. Zucken zusammen. Ich schreie.

Das Kaffee ist verschwunden, die Melodie gestorben und Ich? Ich stehe in einer riesengroßen Wüste. Wind bläst um mich herum, wirbelt grellen gelben Sand hervor. Das kann doch nicht…. Wo zum Teufel. Bin ich hier?? Das alles macht überhaupt keinen Sinn, gerade saß ich noch. Ich lebe gar nicht in der Nähe einer Wüste!

Ich muss; irgendwas im Kaffee. Bestimmt, mir ging es schon die ganze Woche nicht so gut. Ich werde aus meinen Gedanken gerissen: Über mir kreischt ein Geier und Moment mal? Da drüben an dem Felshang, steht da jemand?

Meine Stimmbänder spannen sich an und ich schreie.

Deep down I walk

In a desert full of sand